Der NABU Regionalverband Senftenberg betreut regelmäßig während der Laichwanderungen im Frühjahr Amphibienschutzzäune im Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz (OSL). Das dient hauptsächlich dem Schutz der örtlichen Amphibienpopulation vor dem hier recht lebhaften Straßenverkehr. Es erlaubt aber auch eine regelmäßige Bestandskontrolle, die sonst kaum möglich wäre, und damit auch Aussagen zum Trend bei den lokalen Amphibien-Populationen.
Und dieser Trend ist leider deutlich negativ. An allen 3 Standorten gehen in den letzten Jahren sowohl die Artenzahlen als auch die Zahlen der Individuen mit kleinen Schwankungen immer weiter zurück. Das gilt auch für die Amphibiensaison 2026, in der die Werte gegenüber unserem letzten Bericht von 2025 in fast allen Bereichen noch einmal zurückgingen. Das entspricht dem allgemeinen Trend zum Rückgang von Biodiversität und Biomasse. Die Ursachen dürften im Falle der Amphibien komplex sein.
Eine davon ist sicher die allgemein zunehmende Trockenheit. Diese setzt nicht nur den adulten Amphibien beim Aufenthalt an Land zu. Besonders fatal ist es, wenn durch Niederschlagsmangel, Hitze und schlechtes Wassermanagement die oft nur kleinen und flachen Laichgewässer austrocknen, bevor die kiemenatmenden Kaulquappen ihre Metamorphose beenden können. Das kann dann zum Ausfall eines kompletten Jahrgangs führen. Der Februar 2026 war zwar relativ gut mit Niederschlägen versorgt, aber schon im März und April blieben die meisten Tage und Nächte völlig trocken. Das fortschreitende Austrocknen von Laichgewässern im späten Frühling konnten wir auch 2026 am Sorgenteich und am Tiefen Teich bei Lipsa beobachten. Wir brachten unsere Fänge deshalb bis zum benachbarten Großen Teich. Der Wernerteich (den Einheimischen auch als Strauchteich bekannt) gegenüber dem Sorgenteich führte schon im April kaum noch Wasser.
Eine negative Rolle spielen auch diverse Prädatoren, denn unsere heimischen Amphibien haben zahlreiche Fressfeinde, die einer bereits geschwächten Population weiter zusetzen können. Neben teilweise schon seltenen und geschützten heimischen Tieren wie Weißstorch, Schwarzstorch, Kranich, Graureiher oder Fischotter tun sich hier besonders invasive Neozoen wie Waschbär, Marderhund und Mink hervor. Der Waschbär ist auch verantwortlich für zahlreiche getötete und teilweise gefressene Knoblauchkröten an unserem Amphibienzaun am Sorgenteich, das konnten wir mit Wildkameras nachweisen. Meist frisst er nur die Hinterbeine und verschmäht den „Rest“. Immerhin war hier der Anteil solcher Totfunde 2026 Jahr deutlich geringer als in den Vorjahren.
Eine weitere Ursache könnte die konventionelle Landwirtschaft sein, die teilweise auch in der Nähe unserer Biotope stattfindet. Große Monokulturen, fehlende Rückzugsräume wie Feldgehölze, Feldraine und Lesesteinhaufen, zugeschüttete Kleingewässer und Überdüngung mit Gülle machen den Amphibien das Leben schwer. Und die diversen Pestizide wirken nicht nur direkt über die nackte feuchte Amphibienhaut ein, sondern dezimieren auch Insekten und andere wirbellose „Schädlinge“, die für Amphibien die wichtigste Nahrungsquelle sind. Zusätzlich konzentrieren sich die mit diesen Insekten aufgenommenen Gifte in der nächsten Stufe der Nahrungskette zum Amphibium weiter. Vermutlich gibt es noch weitere Ursachen für den Rückgang.
Standort Park Lipsa
| Zaunlänge: | ≈ 300 m |
| Lage: | Kreisstraße K 6603 zwischen Hermsdorf und Lipsa |
| Standzeit: | 9. März bis 2. Mai 2026 |
| Laichplatz:: | Großer Teich und Tiefer Teich, umgeben von einem typischen Auwald |
Standort Guteborn
| Zaunlänge: | ≈ 300 m |
| Lage: | Landstraße L 55 zwischen Guteborn und Ruhland |
| Standzeit: | 28. Februar bis 2. Mai 2026 |
| Laichplatz:: | Sorgenteich, eventuell auch Wernerteich auf der anderen Straßenseite |
Standort Niemtsch
| Zaunlänge: | ≈ 300 m |
| Lage: | Kreisstraße K 6602 zwischen Niemtsch und Peickwitz |
| Standzeit: | 28. Februar bis 2. Mai 2026 |
| Laichplatz:: | Westzipfel des Senftenberger Sees |
Die Zahlen der von uns in den Fangeimern gefundenen Amphibien haben sich an allen 3 Standorten in den letzten 9 Jahren nahezu kontinuierlich verringert. Inzwischen haben fast alle Arten bereits ein sehr kritisches Level erreicht, und ihr Fortbestand muss als stark gefährdet eingeschätzt werden. An den Standorten Lipsa und Guteborn kann man nur noch die Knoblauchkröte als einigermaßen häufig bezeichnen, alle übrigen dort vorkommenden Arten sind hier inzwischen sehr selten geworden oder möglicherweise bereits ganz verschwunden. Die Erdkröte findet man nur noch am Standort Niemtsch einigermaßen häufig, aber auch mit deutlich rückläufiger Tendenz. An den beiden anderen Standorten ist die einst so häufige Erdkröte schon fast verschwunden. In Niemtsch fanden wir in diesem Jahr erstmals gleich 2 weitere Arten, die das „Monopol“ der Erdkröte brachen.
Die verschiedenen Froscharten sind inzwischen überall Raritäten oder verschwunden. Wenn überhaupt, fanden wir an allen 3 Standorten nur noch einstellige Summen pro Froschart. Bei den Schwanzlurchen sieht es nicht besser aus. Vom Kammmolch fanden wir in Lipsa immerhin noch 11 Exemplare, dafür in Guteborn gar keinen. Vom zierlichen Teichmolch gab es in Lipsa und Guteborn jeweils nur 1 Exemplar. In Niemtsch haben wir zumindest in den letzten 9 Jahren gar keine Schwanzlurche gefunden. Eine Ursache hierfür könnte allerdings auch sein, dass wir zumindest beim Teichmolch den Beginn der Wanderung verpasst haben. Wikipedia konstatiert dazu: „In Mitteleuropa begeben sich Teichmolche sehr frühzeitig nach Ende des Frostes (im Tiefland oft schon ab Februar) auf Wanderschaft zu ihrem Laichgewässer.“ Die ersten 3 Wochen im Februar 2026 gab es in fast allen Nächten mäßigen bis strengen Frost. Aber die letzte Februarwoche war überwiegend frostfrei, sodass die Migration bereits begonnen haben könnte, bevor unsere Amphibienzäune aufgebaut waren.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer liefert die stark gefährdete Rotbauchunke, die erst in den letzten Jahren in Lipsa und Guteborn aufgetaucht ist. Zwar fanden wir in Guteborn diesmal nach 6 Jahren in Folge keine in den Eimern, aber dafür gab es in Lipsa gleich 2, und das im 4. Jahr in Folge! Außerdem hörte ich im Großen Teich in Lipsa am 17. April die charakteristischen Balzrufe von mindestens 2 Rotbauchunken. Ihr monotoner und etwas melancholischer „Unkenruf“ ist weithin hörbar und mit keinem heimischen Amphibium zu verwechseln. Die Rotbauchunke ist nicht nur wie alle heimischen Amphibienarten durch die BArtSchV besonders geschützt; sie findet sich außerdem als besonders schützenswerte Art in Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Man kann nur hoffen, dass sich diese kleinen Populationen hier erhalten und weiter entwickeln können. Ebenfalls erfreulich ist, dass wir in Guteborn im 2. Jahr in Folge den Laubfrosch nachweisen konnten. In Lipsa fanden wir diesmal keinen. Der Laubfrosch ist in Deutschland als „gefährdet“ eingestuft.
Der häufigste „Beifang“ in den Eimern war auch diesmal der stattliche Hainlaufkäfer, und deutlich seltener der Körnige Laufkäfer sowie vereinzelt kleinere Laufkäferarten und diverse kleine Spinnen, Raupen, Springschwänze, Nacktschnecken etc., die natürlich auch wieder befreit wurden. Ganz vereinzelt fanden sich auch kleine Wirbeltiere in den Eimern. In Lipsa war das eine halbwüchsige Waldeidechse aus dem letzten Jahr, am Sorgenteich eine ausgewachsene lebende Waldeidechse sowie eine nicht näher bestimmte tote Maus, und in Niemtsch eine lebende Blindschleiche sowie ein toter Maulwurf. Letzterer war wohl nach einer kalten Regennacht im Eimer erfroren. Auch die 3 Reptilien wurden selbstverständlich umgehend wieder befreit.
Die Fotos wurden aufgenommen von:
Jörg Pahlitsch: Knoblauchkröte, Rotbauchunke (2) und Teichfrosch;
Uwe Kunick: alle übrigen Fotos und Text