Bäume im Schlosspark:

(4) Gewöhnliche Rosskastanie

Alternative Namen: Gemeine Rosskastanie, Weiße Rosskastanie

Botanischer Name: Aesculus hippocastanum L.

 

Größe: 20 – 30 m hoch

Alter: bis 300 Jahre

Gemeine Rosskastanie: links Details (Bilder: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé „Flora von

Deutschland, Österreich und der Schweiz“ 1885), rechts: Totalansicht im Sommer (Foto: „Sannse“, Quelle für beide: Wikipedia)

 

Die Blätter der Rosskastanie sind stattlich und sehr markant, weil jeweils fünf bis sieben 9 – 18 cm lange und bis 10 cm breite Einzelblätter fingerförmig zusammengesetzt sind. Das bedeutet, dass sie alle zusammen am Ende des gemeinsamen 10 – 18 cm langen Stiels entspringen.

 

Die junge Rinde der Rosskastanie ist glatt und braun. Im Alter entwickelt sich eine graubraune bis graue gefelderte Borke mit grob rissigen schuppigen Platten, die sich aufwölben und später abblättern.

 

Die weißen Blüten der Gewöhnlichen Rosskastanie sind sehr dekorativ, zumal sie in zahlreichen großen Blütenständen zusammen wie Kerzen auf den Zweigen stehen. Die Blütezeit ist von Mai bis Juni, in milden Jahren auch schon Ende April. Die Blüten werden von Insekten bestäubt und sind eine wichtige Nahrungsquelle vor allem für Bienen und Hummeln. Eine interessante „Erfindung“ der Rosskastanie ist die „Bienen-Ampel“. Nur jungfräuliche Blüten bieten neben Pollen auch den begehrten Nektar mit bis zu 70 % Zuckergehalt. Diese Blüten tragen einen deutlichen gelben Fleck. Nach der Bestäubung wird die Nektar-Produktion eingestellt, und der Fleck färbt sich in rot bis pink um. So sehen die Insekten bereits beim Anflug, wo sich ein Besuch noch lohnt. Die Blüten der Rosskastanie enthalten auch eine große Menge an Pollen. Jedes einzelne Staubblatt kann bis zu 26.000 Pollenkörner enthalten; damit gehört sie zu den pollenreichsten Pflanzen. Ein einzelner Blütenstand der Rosskastanie enthält bis zu 42 Millionen Pollenkörner.

 

Die Früchte der Rosskastanie sind sehr charakteristisch und bekannt. Aus den bestäubten Blüten wachsen 5 – 6,5 cm große hellgrüne Kapselfrüchte heran, deren Hülle zahlreiche Stacheln trägt. Bei der reifen Frucht platzt die grüne Hülle an Sollbruchstellen auf und entlässt 1 – 3 große, rotbraune Samen, die allseits bekannten Kastanien. Die Kastanienfrucht besitzt keine speziellen Organe zur Verbreitung durch Wind, Tiere oder Wasser – sie nutzt einfach die Schwerkraft und kann in Hanglagen noch ein paar Meter weit rollen. Die Kastanien werden gern von Kindern zum Basteln gesammelt, und sie liefern auch eine wichtige Winternahrung für Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Wildschweine. Früher dienten sie auch als Pferdefutter, was ihnen wohl zum Namen verhalf. Im Gegensatz zu den ähnlich aussehenden Früchten der Edelkastanie (Castanea sativa) sind rohe Rosskastanien für den Menschen schwach giftig und können Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsprobleme verursachen.

 

Vorkommen: Die Gewöhnliche Rosskastanie gehört nicht zur ursprünglichen heimischen Flora; sie ist ein sogenannter Neophyt (eingebürgerte Pflanzenart). Ihre Heimat ist die Balkanhalbinsel, wo sie aber auch nicht flächendeckend, sondern nur sehr zerstreut und isoliert in einigen Mittelgebirgen und Flusstälern wächst. Bereits ab 1576 wurde sie aber von Konstantinopel (heute: Istanbul) von den Osmanen verbreitet. Heute ist sie in weiten Teilen Europas als beliebter Zierbaum in Parks, Alleen, Biergärten, Landschaftsgärten und Friedhöfen oft zahlreich zu finden.

Natürliche Vorkommen der Gewöhnlichen Rosskastanie. Grafik: Fichier, Quelle: Wikipedia

Grüne Flecke: größere Vorkommen, grüne Kreuze: Isolierte Einzelnachweise.

Wirtschaftliche Bedeutung hat die Gewöhnliche Rosskastanie vor allem als Ziergehölz in

öffentlichen Grünanlagen sowie als Schattenspender in Freiluft-Gaststätten („Biergärten“) und

entlang von Gehwegen. Ihre Bedeutung als Bienennahrung sowie als Winterfutter für Schalenwild wurde bereits erwähnt.

 

Das Holz der Gewöhnlichen Rosskastanie ist wenig dauerhaft und nicht besonders stabil oder

attraktiv. Es wird deshalb eher für minderwertige Holzprodukte verwendet wie z. B. Holzkisten,

Blindholz für Türen und Möbel (wird durch Edelholz-Furniere kaschiert), Spanplatten und

Faserplatten sowie als Feuerholz für Kamine.

 

Inhaltsstoffe der Früchte wurden früher zum Beispiel zur Herstellung von Seifen, Kosmetika,

Farbstoffen (z. B. für Wolle), Alkohol, Aceton und Schäumen verwendet. Heute dürfte das aber kaum noch wirtschaftlich relevant sein.

 

Eine gewisse Bedeutung haben Extrakte aus diversen Pflanzenteilen noch in der Pharmazie und Medizin. Ihre Inhaltsstoffe wirken unter anderem entzündungshemmend gegen Geschwüre, sie verbessern den Blutkreislauf und können schlaffe Blutgefäße (vor allem Venen) stärken.

 

Der größte natürliche Feind der stattlichen Rosskastanie ist ein bei uns ebenfalls eingebürgerter winziger Schmetterling. Die Falter sind nur rund 2 – 3 mm lang und haben 6 – 7 mm Flügelspannweite. Die Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella stammt ebenfalls vom Balkan. Sie wurde 1986 von Mazedonien (Heute: Nordmazedonien) nach Österreich eingeschleppt und hat sich in nur 20 Jahren auf den Spuren ihrer einzigen Futterpflanze über große Teile von Europa ausgebreitet. Die Raupen der Rosskastanien-Miniermotte sind so winzig, dass sie die Kastanienblätter quasi von innen her auffressen. Vor den meisten Fressfeinden verborgen frisst die Raupe zwischen oberer und unterer Blatt-Epidermis die für die Photosynthese zuständigen Zellen des Palisaden- und Schwammgewebes auf und wächst dabei langsam heran. So entstehen die

charakteristischen halbdurchsichtigen unregelmäßig gewundenen Gänge im Blatt, die mit

zunehmender Größe der Raupe immer breiter werden. Durch die aggressiven Ausscheidungen der Raupe kommt es bald auch in den angrenzenden grünen Blattregionen zu einer fortschreitenden Nekrose (Absterben von Zellen), und bei starkem Befall werden die Kastanienblätter dann schon im Sommer braun und trocken, und der Baum sieht aus wie im Spätherbst. Zwar werden so „nur“ die Blätter direkt geschädigt, aber bei starkem Befall über mehrere Jahre (und das ist bei der Rosskastanien-Miniermotte die Regel) wird der Baum schließlich so geschwächt, dass er abstirbt.

Rosskastanien-Miniermotte: links Falter (Foto: „Slimguy“), rechts: Ausbreitung in Europa (Grafik: „Utar“, Quelle für beide: Wikipedia)

Leider war genau das auch im Schlosspark Senftenberg der Fall, und so wird die schöne

Rosskastanien-Allee an seiner Ostseite (direkt am Tierparkgelände) schon bald vollständig beseitigt. Geplant ist dann ein Ersatz durch die sehr ähnliche Fleischrote Rosskastanie (vergleichen Sie dazu Absatz ④ a). Denn die ist im Gegensatz zur Gewöhnlichen oder auch Weißen Rosskastanie gegen die Rosskastanien-Miniermotte immun.

Gewöhnliche Rosskastanie: Blütenstand (links) und unreife Früchte (rechts)

Fotos: Uwe Kunick

Gewöhnliche Rosskastanie im Herbst (Foto: Uwe Kunick)

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