Bäume im Schlosspark:

(16) Sumpfzypresse

Botanischer Name: Taxodium distichum (L.) RICH.

Synonyme: Echte Sumpfzypresse, Aufrechte Sumpfzypresse, Sumpfeibe

 

Größe: bis 35 m hoch, ausnahmsweise bis 50 m; Stammumfang bis über 5 m

Exemplare in Mitteleuropa werden allerdings kaum höher als 25 m

Alter: bis über 1000 Jahre

Sumpfzypresse Taxodium distichum. Links: Details (Zeichnung: O. Tackenberg, Quelle: Sargent 1898 – 1902), Mitte: unreife Zapfen und beginnende Herbstfärbung (24. 10. 2014, Foto: Uwe Kunick), rechts: Borke am Stamm (Foto: Uwe Kunick)

Die Rinde ist bereits an den jungen Zweigen rotbraun und rau. Am Stamm der Sumpfzypresse entwickelt sich bald eine blass rötlich braune schuppige Borke mit zahlreichen unregelmäßigen senkrechten oder schraubig verlaufenden Furchen und Fasern (siehe Foto oben rechts).

 

Etwa 80 – 100 dünne etwa 10 mm lange und 2 mm breite Blätter sitzen links und rechts etwas unregelmäßig je einzeilig an dünnen etwa 10 cm langen grünen Langtrieben. Der Blattrand ist glatt. Die Blätter sind beim Austrieb hellgrün und werden rasch dunkler grün. Im Herbst, meist im Oktober, färben sich die grünen Blätter und Langtriebe der Sumpfzypresse rostbraun bis fuchsrot und fallen dann einzeln ab. Nach den Blättchen fallen auch die nun kahlen Langtriebe ab.

Links: Diese Sumpfzypresse aus einem Sumpf am Black River in North Carolina war laut NTV

2019 schon 2624 Jahre alt (Quelle: ntv online vom 24.05.2019), rechts: Atemknie auf den Wurzeln einer Sumpfzypresse in Lucca (Toscana, Italien; Quelle: Zoonar online).

Die Sumpfzypresse bildet bereits im Winter rund 5 cm lange gelbgrüne männliche Blüten aus, die sich aber erst im März bis April zu 8 - 10 cm langen hängenden Blütenständen strecken und gelb färben. Die weiblichen Blüten sind kleine grüne kuglige Zapfenanlagen, die im April bis Mai bereit zur Bestäubung sind. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Aus den bestäubten weiblichen Blüten entwickeln sich 2 – 3 cm lange kuglige bis plump eiförmige grüne Zapfen an kurzen Stielen. Sie haben nur wenige große runde Schuppen, die einen kleinen gekrümmten Dorn in der Mitte tragen. Die Zapfen reifen bereits im ersten Jahr und werden dann allmählich braun. Sie bleiben allerdings noch 1 – 2 Jahre am Baum, lösen sich allmählich auf und entlassen dabei die Samen.

Links: Bereits Anfang Februar sind die männlichen Blüten an der sonst kahlen Sumpfzypresse gut erkennbar (Foto: 06. 02. 2016 Uwe Kunick). Rechts: Anfang November tragen die Blätter ihre volle Herbstfarbe, während die diesjährigen Zapfen noch nicht völlig verholzt sind. Man beachte auch die krallenartigen Dornen auf den Zapfenschuppen

(Foto: 1. 11. 2015 Uwe Kunick).

Vorkommen: Die natürliche Heimat der Sumpfzypresse liegt im südöstlichen Nordamerika vor

allem im Raum der großen Fluss- und Sumpflandschaften. Sie wurde bereits 1640 durch den

Botaniker J. TRADESCANT als Zier- und Parkbaum in Europa eingeführt. Sie gedeiht sehr gut auf feuchten bis nassen Böden und kann sogar im Flachwasser wachsen. Hier sorgen bis über 40 cm hohe im inneren schwammige „Atemknie“ dafür, dass die Wurzeln genügend Luft und Sauerstoff bekommen und erhöhen außerdem die Stabilität des schweren Baums auf dem weichen nassen Boden. Die Sumpfzypresse toleriert aber auch trockene und sogar salzige Böden; sie braucht für ein gutes Gedeihen allerdings warme Sommer.

Natürliche Verbreitung der Sumpfzypresse Taxodium distichum. Grafik: Elbert L. Little, jr. (US

Geological Survey); Quelle: Wikipedia

Die Sumpfzypresse ist bei uns bisher vor allem ein Zierbaum in Parks und Landschaftsgärten und hat noch keine größere wirtschaftliche Bedeutung. Allerdings könnte sie gerade im derzeitigen Klimawandel eine interessante Alternative zu den bisher bei uns kultivierten Forstbäumen werden. Denn ihr Holz ist für einige Branchen durchaus von Interesse. Es gilt als besonders dauerhaft und rottefest und wird deshalb gern für Bootsstege und Hafendocks, im Schiffs- und Bootsbau sowie für Außen- und Innenkonstruktionen von Gebäuden verwendet. Auch als Furnierholz für Möbel wird es wegen seiner schönen Farbe und Maserung geschätzt. Das ideale Erntealter liegt ähnlich wie bei der heimischen Kiefer bei 100 – 120 Jahren, denn in diesem Alter ist das Holz der Sumpfzypresse deutlich dauerhafter als das von jungen Exemplaren. Es ist hart, aber gut zu bearbeiten, absolut nagel- und schraubenfest, und es nimmt Lacke, Farben und Leime sehr gut an.

 

Besonderes: Nicht nur das Holz unserer heutigen Sumpfzypressen ist ein wertvoller Rohstoff.

Große Wälder von Sumpfzypressen und einigen anderen Bäumen, die vor gut 20 Millionen Jahren westlich der heutigen Großstadt Köln wuchsen, bilden heute die Basis für die bis zu 70 m mächtigen Braunkohlenflöze im Rheinischen Revier, und auch unsere Lausitzer Braunkohle verdankt ihre Entstehung vor rund 17 Millionen Jahren zum guten Teil uralten Sumpfzypressen. Geologen und Paläontologen nennen die Ära vor rund 23 bis 5 Millionen Jahren Miozän.

Um diese Bedeutung der Sumpfzypresse für die Region und unsere Stadt zu würdigen, wurde Ende März 2021 als bisher jüngster Baum im Schlosspark Senftenberg am Nordufer des Kleinen

Schlossteichs eine junge Sumpfzypresse gepflanzt. Noch ist sie ein wenig unscheinbar, aber das wird sich sicher bald ändern; denn unter guten Bedingungen legen junge Sumpfzypressen pro Jahr etwa 30 cm an Höhe zu. Interessenten finden näheres zu dieser

Pflanzaktion auf der Website der Stadt Senftenberg (30.03.2021 „Sumpfzypresse ziert Schlosspark“). Das Bild links zeigt die noch sehr junge Sumpfzypresse im Schlosspark Senftenberg am 13. Juli

2021 (Foto: Uwe Kunick).

Verwechslungsgefahr: Der Sumpfzypresse recht ähnlich und auch mit ihr verwandt ist der

Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), ein lebendes Fossil aus dem Bergland der Volksrepublik China. Er erreicht eine ähnliche Größe wie die echte Sumpfzypresse, wird aber kaum halb so alt. Am besten kann man den Urweltmammutbaum an 2 Merkmalen unterscheiden: (1) Seine fein belaubten Kurztriebe wachsen genau gegenüber aus den jungen Zweigen, während bei der Sumpfzypresse die Kurztriebe links und recht deutlich versetzt am Zweig wachsen. (2) Die Stiele der kugeligen Zapfen sind beim Urweltmammutbaum sehr lang (mindestens so lang wie der Zapfen selbst) und bei der Sumpfzypresse viel kürzer (nur etwa halb so lang wie die obersten Schuppen).

Ältere Sumpfzypresse im Wandel der Jahreszeiten. Die Fotos entstanden v.l.n.r. am 21.06., 11.10., 02.11. und 20.02. vom selben Baum in der Schulstraße Hoyerswerda

(alle Fotos: Uwe Kunick)

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