Bäume im Schlosspark:

(14) Roteiche

Botanischer Name: Quercus rubra L.

Synonyme: Amerikanische Spitzeiche, Amerikanische Roteiche

 

Größe: 20 bis 25 m hoch, maximal 35 m; Stammdurchmesser bis 2 m

Alter: bis 400 Jahre

Roteiche Quercus rubra. Links: Blatt und Frucht (François André Michaux: „Histoire des arbres forestiers de l'Amérique septentrionale“, 1812, Tafel 26), Mitte: Laub der Roteiche im Sommer (Foto: Jean Tosti), rechts: Borke am Stamm (Foto: „AnRo0002“; Quelle für alle: Wikipedia)

Blätter der Roteiche im Sommer (links) und im Herbst (rechts). Fotos: Uwe Kunick

Die Blätter der Roteiche variieren stark in der Größe; an einem 2 – 5 cm langen dünnen Blattstiel sitzt eine bis zu 23 cm lange Blattspreite, die durch mäßig tiefe Buchten auf beiden Seiten in je 4 – 5 Blattlappen unterteilt ist. Deren Außenseiten tragen einige scharfe Spitzen, ansonsten ist der Blattrand glatt. Die Färbung der Blätter ändert sich mit ihrem Alter. In den ersten 3 Wochen sind sie gelbgrün bis gelb, danach werden sie kräftig dunkelgrün. Im Herbst werden die Blätter vor allem an sehr jungen Roteichen orangerot bis tiefrot, danach färben sie sich einheitlich hellbraun und fallen ab. Bei älteren Roteichen ist die namensgebende Färbung oft deutlich schwächer ausgeprägt, manchmal werden ihre Blätter auch gleich braun.

 

Die Rinde am Stamm der jungen Roteiche ist zunächst grau und glatt. Später entwickelt sich daraus eine dünnschuppige, längsrissige graue Borke mit rötlichen flachen Rissen.

Roteiche. Links: Voll entfaltete männliche Blüten, rechts: fast reife Eicheln

Die Roteiche entfaltet ihre Blüten zusammen mit den jungen Blättern im Mai. Die männlichen

Blüten sind lang herabhängende gelbgrüne Kätzchen (siehe Foto oben links), vollreife Pollenkörner färben sich rotbraun. Die weiblichen Blüten sind dagegen unscheinbare kleine grüne Kugeln, von denen je 1 – 2 zusammen sitzen. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Aus den befruchteten weiblichen Blüten reifen erst im 2. Jahr in einem kleinen „Hut“ oder Becher an kurzen Stielen die etwa 2 cm langen und auch rund 2 cm dicken plump eiförmigen bis kugligen braunen Eicheln (siehe Foto oben rechts). Die Roteiche bildet mit rund 25 bis 30 Jahren erstmals Blüten und keimfähige Eicheln aus (eine Stieleiche braucht dafür rund 60 Jahre).

 

Vorkommen: Die Roteiche ist in Europa ein Neophyt; ihre ursprüngliche Heimat ist das östliche Nordamerika. Vom südlichen Ontario im Norden reicht Ihr Vorkommen fast bis nach Nordflorida im Süden und bis ins mittlere Kansas im Westen. In Mitteleuropa wurde sie bereits vor rund 300 Jahren (Experten streiten noch ob schon 1691 oder erst 1721) als dekorativer Park- und Alleebaum eingeführt. In den Appalachen gedeiht sie noch in Höhenlagen über 1600 m. In Europa ist die Roteiche längst zu einem etablierten Teil der Baumflora geworden.

Natürliche Verbreitung der Roteiche. Grafik: Elbert L. Little, jr. (US Geological Survey);

Quelle: Wikipedia

Inzwischen hat die Roteiche auch bei uns wirtschaftliche Bedeutung. Bei der 3. Bundes-

Waldinventur von 2012 bedeckten Roteichen allein in Deutschland rund 55.000 ha als

Hauptbestockung (0,5 % der Waldfläche) sowie rund 11.000 ha als Jungbestockung. Ihr Holz ist ähnlich hart und schwer wie das der heimischen Stieleiche und Traubeneiche. Es ist aber deutlich grobporiger, und damit besonders beim Einsatz im Freien anfällig gegen Verpilzung, Fäulnis und Holzschädlinge. Außerdem ist es wegen der zahlreichen groben Poren „nicht ganz dicht“, und deshalb nicht geeignet für Holzfässer, Bottiche, Kübel oder den Schiffbau. Im Innenausbau ist es aber wie das Holz heimischer Eichen gut für Parkett, Treppen und Möbel geeignet. Wegen seiner unregelmäßigen Maserung wird es aber seltener als Furnier verwendet. Auch wenn ihr Holz weniger wertvoll ist, so kann die Roteiche im Forstbau doch mit gutem Ertrag punkten. Sie wird deutlich früher fruchtbar als heimische Eichen (siehe oben), produziert große Mengen an Früchten, und junge Exemplare haben pro Jahr bis 2,50 m Höhenzuwachs.

 

Im Siedlungsbereich werden Roteichen gern als Zierbäume gepflanzt. Sie vertragen auch

Stadtklima und Luftbelastung gut. Als Alleebaum und auf Plätzen sind sie allerdings nur bedingt geeignet, da ihre kräftigen flachen Wurzeln Pflaster und Asphalt anheben und beschädigen können. Im Nadelwald werden Roteichenstreifen als Brandschutzriegel gepflanzt. Das schwer zersetzbare saure Laub der Roteichen verringert die Entwicklung einer Kraut- und Strauchschicht, so dass eine Art natürlicher Brandschutzschneise entsteht und die Ausbreitung von Waldbränden zumindest erschwert wird.

Roteiche Quercus rubra. Links: Älterer Baum mit schön ausgeprägter Herbstfärbung (Foto: Uwe Kunick, 18. 10. 2008), rechts: kahle Roteiche im Winter (Foto: anonym, Quelle: Baumportal.de)

Verwechslungsgefahr: Der Roteiche recht ähnlich ist die ebenfalls im östlichen Nordamerika

heimische Scharlacheiche Quercus coccinea. Bei der sind aber die Blätter viel tiefer ausgeschnitten (siehe dazu unseren Baumtext № ⑫). Im Schlosspark Senftenberg hat man die Gelegenheit, beide Arten sehr gut miteinander zu vergleichen, denn am Südufer des Kleinen Schlossteiches wachsen Vertreter beider Arten direkt nebeneinander.

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